Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, warum hier ausgerechnet "Tiere" als Paradebeispiele für Lernvorgänge vorgestellt werden ? Sie möchten gerne wissen, wie der Mensch und nicht, wie das Tier lernt........
Weil die Grundlagen des Lernens bei Mensch und Tier gleich sind, stelle ich Ihnen die grundlegenden Vorgänge des Lernens auch am "Tierbeispiel" vor. Erstens kann dies - wie die vorangehenden Beispiele zeigen - sehr unterhaltsam sein. Und zweitens, da Tiere im Allgemeinen nicht in der Lage sind, über Dinge "nachzudenken", kann man die grundlegenden Lerntheorien daher auch am tierischen Lernen sehr viel besser verdeutlichen.
Heute geht es darum, wie man die gesehenen "Kunststücke" Tieren beibringen kann. Man braucht schon etwas Geduld, wie das im Video gezeigte Beispiel verdeutlicht:
Ich denke, dass ich an dieser Stelle nicht erklären muss, was hier "lernpsychologisch" gesehen geschieht, denn dies hat z.B. Martin Pietralla auf seiner Homepage zum Clickertraining bereits ausführlich getan:
Hier erklärt er, was man unter "operantem Verhalten" versteht und hier erklärt er warum das Tier überhaupt auf den Clicker reagiert.
Bianca Wittmann hat über dieses Thema eine Doktorarbeit geschrieben:
Bianca Wittmann, Diss. Magdeburg (2006) Belohnung, Neuheitsdetektion und Gedächstnisbildung: Interaktion von dopaminergem Mittelhirn und medialem Temporallappen beim Menschen.
Dieser Papagei kann einige Kunststücke. Er versteht die Kommandos, stellt sich tot, spielt Golf und Basketball. Wichtig: Hören Sie genau zu, wie er ständig für die erfolgreichen Kunststücke gelobt wird.
Beim Lernen spielt das so genannte "Belohnungszentrum" eine große Rolle. Nicht nur unsere Haustiere, sondern auch wir selbst lernen sehr viel leichter und schneller, wenn wir für unsere Erfolge gelobt werden........Aber sehen Sie selbst:
Heute kann ich Ihnen ein besonderes "Schmankerl" anbieten: verblüffend, wie dieser schmucke Vogel im Video seine Füßchen im Takt zur Musik bewegt, mit seinem kleinen Köpfchen wippt .......
Haben Vögel Rhythmusgefühl? Denn das braucht man , um diesen Tanz vorzuführen. Vermutlich hat sein(e) BesitzerIn fleißig mit ihm geübt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Und was heißt "Rhythmusgefühl" überhaupt? Wenn wir dem Vögelchen zuschauen, so sind seine Bewegungen genauso "getaktet", wie die Musik. Er schwingt synchron mit. Er kann dem Rhythmus der Musik folgen. Wie heißt es so schön: "Ein Rhythmus, wo man mit muss".... Ertappen Sie sich, wie Sie selbst anfangen, mitzuwippen?
Es macht riesig Spaß dem kleinen Kerlchen zuzuschauen.Bevor ich weiter auf die hier aufgeworfenen Fragen eingehe, genießen Sie erstmal diesen neuen "Augenschmaus":
Kommen wir wieder zurück zum zweifelsohne hier vorhandenen Gefühl für den Rhythmus und die passenden Bewegungen. Es gibt nämlich Menschen, welche - auch mit viel Übung - sich schwer tun im Rhythmus zu bewegen...Was weiß die Wissenschaft über diese Fähigkeiten?
Leider herzlich wenig. Das Verständnis und die Reaktion auf Musik und Rhythmus ist nach wie vor ein noch wenig erforschtes "Rätsel": 1. Rhythmus wird in der frühen Kindheit "eingeübt": Zunächst kann ich eine Untersuchung anbieten, wonach die Fähigkeit einen Rhythmus zu spüren und zu interpretieren (d.h. betonte und weniger betonte Schläge voneinander unterscheiden zu können), bereits in der frühen Kindheit "eingeübt" wird. Das Wippen zum Rhythmus eines Liedes z.B. sorgt dafür, dass Kinder bestimmte Vorlieben entwickeln. Ausführlich im Artikel von www.wissenschaft.de: wissenschaft.de - Hüpfen fürs Taktgefühl 2. Ein mangelndes Rhythmusgefühl ist (mit-)ursächlich für Leseschwäche Die im Link vorgestellte Studie aus dem Jahre 2002 gibt Hinweise darauf, dass ein mangelndes Rhythmusgefühl dazu führen kann, dass Kinder sehr schwer lesen lernen. So stellten die Forscher fest, dass gute Leser im "Takt" bleiben, während die schlechten Leser den "Takt" nicht richtig erfassen können. Ich möchte diese Studie insoweit ergänzen, als dass es andererseits auch Studien gibt, welche belegen, dass Schüler mit Lese-/Rechtschreibschwäche (= Dylexie) eine deutlich schlechtere Hörfähigkeit haben. Diese könnte als Folge auch ein mangelndes Taktgefühl verursachen. Denn betonte und unbetonte Schläge voneinander zu unterscheiden, erfordert ein Mindestmaß an Hörfähigkeit. Bei dyslektischen Kindern ist die "Hörentwicklung" und die Hördiskriminationsfähigkeit oft nicht altersangemessen . Die Hörfähigkeit ist wichtig, um unterschiedliche, aber ähnlich klingende Laute unterscheiden zu können. Auf die Entwicklung der Hörfähigkeit werde ich im nächsten Update auf meiner Homepage Neuropädagogik eingehen. Übrigens scheint es sich dabei einerseits um einen Reifungsprozess zu handeln, andererseits lässt sich die Hörwahrnehmung auch "trainieren". Musikalische Aktivitäten bereits im Kleinkind- und Vorschulalter dürften hier durchaus förderlich sein (=> Plastizität des Gehirns!). Link zum erwähnten Beitrag: NETZEITUNG | GEN UND MENSCH: Leseschwäche mangels Rhythmusgefühl: "Leseschwäche mangels Rhythmusgefühl
Und noch ein Beitrag zum Rhythmus auf wissenschaft.de. Hier geht es um die entspannende Wirkung von beruhigenden Rhythmen :
3. Langsame Rhythmen können helfen, die Atmung und den Herzschlag zu beruhigen
Musik ist gut fürs Herz. Das schließen Forscher aus Italien und England aus einer kleinen Studie an 24 Probanden. Mehr die Geschwindigkeit des Rhythmus und weniger die Stilrichtung des Stücks ist dabei maßgeblich für die Wirkung. So wirke langsame Musik beruhigend auf den Körper, während schnelle Stücke den Blutkreislauf des Zuhörers antreibe, schreiben Luciano Bernardi von der Universität in Pavia und Peter Sleight vom John-Radcliff-Krankenhaus in Oxford." Ausführlich: wissenschaft.de - Herzallerliebst: Musik
Meine Beiträge hier dürften nur eine Auswahl dessen sein, was zu diesem Thema geboten werden könnte. Sollte jemand hier noch etwas beisteuern können, nur zu ;-)
P.S.: Nun wurde ich von einem Fachmann informiert, dass es sich hier um einen Haubenkakadu handelt, d.h. eine Papageienart. Nymphensittiche seien farbig und auch kleiner. Aber auch diese Angabe - was die biologische Gattung anbetrifft - geschieht von mir hier ohne Gewähr ;-)
Bildquelle: Pixelio Thomas Max Müller Tierisches Können: Der rätselhafte Papagei"Ten, eine sechsjährige Ara-Dame, bringt die Besucher eines Botanischen Gartens in Tokio zur Verzweiflung. Sie löst ein Puzzle schneller als die Menschen."
Es geht um ein motorisches Puzzle aus Metallringen, welche scheinbar untrennbar miteinander verbunden sind. Die Menschen brauchen ca. eine Stunde, bis sie die Ringe erfolgreich getrennt haben. Die Ara-Dame hatte das notwendige Interesse damit zu spielen und schaffte die Trennung der Ringe wohl nach einigen Tagen. Im Video wird gezeigt, wie sie nun in den Wettstreit mit den verblüfften Erwachsenen geht. Bildquelle: Pixelio fotofun4you
Aras sind bekannt für ihre hervorragenden feinmotorischen Fertigkeiten, welche auch in diesem Experiment gebraucht werden. Aras schaffen im gelungenen Wechselspiel zwischen ihren Krallen, Schnabel und Zunge, Nüsse zu knacken und die Einzelteile herauszuholen.
Das Metallpuzzle lässt sich über Versuch und Irrtum lösen. So machen es die Menschen, so machte es der Ara. Entsprechend seiner geringeren geistigen Fähigkeiten brauchte er mehrere Tage um das Puzzle-Rätsel zu lösen, der Mensch schafft es in einem Bruchteil der Zeit. Verblüffend an diesem "Experiment" oder "Spiel" ist die Fähigkeit der Ara-Dame, dass sie dank eines "Langzeit-Gedächtnisses" ihre Fertigkeit nun immer wieder vorführen kann und dass es sich dabei um eine Aktivität handelt, woran normalerweise Aras kein Interesse haben.
Lernpsychologisch gesehen, ist mit diesem Versuch nichts Neues bewiesen. Tiere, auch sehr kleine, können etwas lernen und behalten. Was man hier gut erkennen kann, ist dass auch Tiere nicht "nur" instinktgeleitet handeln, sondern neben wichtigen überlebensnotwendigen Fähigkeiten auch völlig Nutzloses lernen können.
Sie können sich Dinge nicht nur kurz merken (Kurzzeitgedächtnis), sondern sie haben ebenso wie Menschen die Fähigkeit etwas längerfristig zu behalten (Langzeitgedächtnis).
Lernpsychologisch gesehen handelt es sich um einen operanten Konditionierungsvorgang. Was dies genau ist, werde ich in einem weiteren Posting erklären.
Mein Dank gilt hier Christian Reinboth, denn sein Email-Tipp sorgte für diesen Eintrag. Er ist bei den deutschen Scienceblogs im wahrsten Sinne des Wortes für den "Frischen Wind" verantwortlich ;-)
Walnussgroße Gehirne - aber so viele Lernfähigkeiten. Sie sprechen Worte, verstehen die Kommandos und die Fragen des Menschen, sie antworten, tanzen und wippen im Takt zur Musik.
Tierische Intelligenz, wie weit geht sie? Was geht hinter diesen kleinen Köpfchen vor sich? Im Film antwortet der Papagei. Versteht er die Fragen, oder versteht er sie nicht? Alles nur Drill oder das Ergebnis von "Denkvorgängen". Einfache "Denkvorgänge"?
Immer noch sind diese Dinge ein Rätsel. Schnell hat man sich den sogenannten höheren kognitiven Prozessen beim Menschen zuwandt, als man die behavioristischen Lernforschungen an Tieren für ausreichend empfunden hatte....zu Recht? Sehen Sie selbst, welch verblüffende Dinge "Einstein" uns hier präsentiert:
Die deutsche Fassung des Filmes finden Sie auf Youtube hier
Ein aktueller Spiegel-Artikel zur tierischen Intelligenz:
SPIEGEL ONLINE
INTELLIGENZ Was Tiere denken Hunde, die bis zu 300 Wörter verstehen, Papageien, die ihre Wünsche auf Englisch artikulieren, Krähen, die Werkzeuge basteln - Forscher plädieren für mehr Bescheidenheit, denn neueste Erkenntnisse zeigen: Intelligenz ist nicht für Primaten oder Säugetiere reserviert.
In nächster Zeit werde ich an dieser Stelle darüber berichten, wie der Mensch und das Tier lernt. Wie erklärt die Psychologie "Lernen", auf welche Weise geht "Lernen" und "Denken" vor sich? Welche Lernfähigkeiten besitzen Tiere und Menschen?
Viele Lernprozesse wurden zunächst in Tierversuchen untersucht. Mit Tieren konnte man experimentieren, ohne in moralisch-ethische Schwierigkeiten zu kommen. Angefangen hat die streng empirische Lernforschung (=Behaviorismus) vor ca. 100 Jahren mit Experimenten, welche das Lernen mit Hilfe von Belohnungen (=z.B.Futter) oder in der Kombination Belohnung und Bestrafungen (=Schmerzreize)untersuchten. Um das Tier mit Futter zu belohnen, musste es hungrig sein.
Im folgenden Beispiel ist eine hungrige Taube zu sehen und ihr Futter hängt in einer für die Taube unerreichbaren Höhe. Ein Holzklotz könnte Abhilfe schaffen..... Aber ist die Taube so clever, dass sie den Klotz zur Hilfe nehmen kann?
Beobachten Sie die Taube, wie dies einst die ersten Lernforscher Thorndike, Pavlov, Watson und Skinner taten.
Wann kommt der Taube der "Gedanke" dass sie den Klotz als Werkzeug nutzt? Sehen Sie selbst:
Wann hatte die Taube ihren "Gedankenblitz"? Sind Sie erstaunt, dass ein so kleines Tierchen mit einem Gehirn in der Größe einer großen Perle so viel zu leisten vermag? Was meinen Sie?
*Pixelio- Bild von Babsnrw Schimpansen können sich schneller und besser Zahlenreihen merken als Menschen. Das haben japanische Verhaltensforscher in Experimenten nachgewiesen, bei denen den menschlichen und tierischen Probanden an einem Bildschirm Zahlenmuster gezeigt wurden. Die Affen konnten sich nach dem Ausblenden der Zahlen besser an deren Anordnung erinnern als die Studenten einer japanischen Universität. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen mit ihren kognitiven Fähigkeiten den Tieren nicht generell überlegen seien. Zitat - Quelle: Newsticker "www.wissenschaft.de" Ausführlich: hier und bei Spektrum: hier
Ich meine, dass hier ein schönes Beispiel gegeben wird, wie "gekonnt" Forschungsergebnisse von Forschern in den Fokus der Medien gebracht werden und dabei auch "Verkürzungen" in Kauf genommen werden."Schimpansen haben ein besseres Gedächtnis für Zahlenreihen als der Mensch" .......wer kommt da nicht ins Staunen ! Müssen wir uns nun bezüglich unserer geistigen Fähigkeiten hinter den Schimpansen einordnen? Ein schrecklicher Gedanke - unsere überlegene Spezies rutscht auf Platz 2!! Aber........
Wer das Kommentar aufmerksam liest, bleibt an der Bemerkung: "Diese Fähigkeit, Bilder in allen Details kurzzeitig im Gedächtnis zu behalten, wird immer wieder auch bei Kindern beobachtet...." hängen.
Also: Schimpansen haben doch kein besseres Gedächtnis als Menschen(kinder) ?
Wo liegt hier der Denkfehler?
Um die Ergebnisse richtig zu interpretieren erinnert sich vielleicht mancher daran, dass Entwicklungspsychologen nach Schuleintritt bei Kindern eine "Rückentwicklung" ihres hervorragenden Bildgedächtnisses beobachtet haben. Man denke nur daran, wie die "Kleinen" grundsätzlich jeden Erwachsenen bei jedem Memory-Spiel in die Ecke stellen. Also was soll man jetzt davon halten?Wo liegt hier der Fehler? Vielleicht daran, dass die Schimpansen - nach intensiver Übung der Fähigkeiten vergleichbar sind mit Vorschulkindern, aber nicht mit Erwachsenen?
Vielen Dank Don Quijote* für die Links zum Schimpansengedächtnis, denn nun kannst Du / können Sie hier dem Affen beim Zählen zuschauen. Und wer seine Fähigkeiten selbst einmal erproben möchte, kann hier mit etwas weniger Zahlen einmal "üben".
Wir haben ein paarmal das Video angeschaut, mit welchem Tempo dieser die 9! Quadrate in der richtigen Reihenfolge mit einer “affenartigen” Geschwindigkeit findet. Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass der Affe bereits im Voraus weiß, in welcher Reihenfolge er die Quadrate antippen muss, d.h. er könnte die immer wiederkehrenden Folgen auch auswendig gelernt haben. Vermutlich heißt es auch hier wieder. Traue keiner Forschung, die Du nicht selbst gefälscht hast. Ob es sich hier um echte und ernsthafte Forschung handelt und nicht um einen Fake - vermutlich werden wir es nicht erfahren. Zumindest widerspricht dieses Ergebnis, den Erkenntnissen der “menschlichen” psychologischen und neurowissenschaftlichen Gedächtnisforschung wonach der Mensch max. 5-7 Items im “Hirn” behalten kann.
Don Quijote geht davon aus, dass es sich um einen seriösen Forschungsbericht handelt und empfiehlt:
Hier ein Artikel aus dem Guardian dazu, den ich auf die Schnelle gefunden habe. Interessant ist, dass Ayumu anscheinend die Ausnahme war. Ältere Affen (so einer wäre ich auch) hatten viel mehr Schwierigkeiten und waren um einiges langsamer. Die kurze Zeit die er brauchte um die Zahlen zu erkennen scheint die Forscher auch überrascht zu haben. (Hervorhebungen von mir)
Auf den Blog von Don Quijote* möchte ich an dieser Stelle aufmerksam machen: Seine Blogbeschreibung: "In den meisten Blogs wird Politik vor allem aus einer aktivistischen Perspektive kommentiert und internationale Politik kommt sowieso viel zu kurz. Es gibt kaum Sozialwissenschaftliche Blogs auf Deutsch. Schweizer scheinen allgemein rar zu sein in der Blogosphäre. Dieses Blog ist ein bescheidener Versuch in dieser Nische zu schreiben."
Gehirn&Geist 9/2010: Zivilcourage ist Mangelware
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*Aktuelle Studie: Jeder vierte Deutsche war bereits Opfer von Gewalt in der
Öffentlichkeit. Psychologen entwickeln Trainingsprogramme für mehr
Zivilcourage...
Psychologie hat viele Teilgebiete. In diesem Blog geht es insbesondere um die Pädagogische Psychologie, wobei ich auch - je nach Lust und Laune - andere Bereiche der Psychologie aufgreifen möchte. Noch sind es wenige Beiträge über die Anfänge der Lernpsychologie und die erstaunlichen Lernfähigkeiten der Tiere.
Möchten Sie hier gerne auch über andere Themen aus der Psychologie lesen? Dann schreiben Sie mir, was "Ihr psychologische Wunschkonzert" enthalten soll.
Hinweis - Buchvorstellungen im Blog: Ich stelle hier nur Bücher bzw. Zeitschriftenartikel vor, welche ich für lesenswert halte!